Eine Projektübersicht

Viele Institutionen und Initiativen sind auf der Suche nach passenden Konzepten, um Geflüchteten in Deutschland die Integration zu erleichtern. Im Bereich der musikalischen Flüchtlingsarbeit gibt es zum Teil sehr unterschiedliche Antworten auf die Frage, wie Musik dabei helfen kann. Exemplarisch werden verschiedene Ansätze vorgestellt.

 

Folklang – ein interkulturelles vhs-Projekt

Jede Woche finden an der Volkshochschule Tübingen unter dem Titel „Folklang“ Jamsessions und sogenannte „Tune-learning“ Sessions statt. Die Projektteilnehmerinnen und -teilnehmer erlernen hier traditionelle Musik ohne Noten, durch Zuhören und Nachspielen. Die Teilnehmenden werden eingeladen, den Anderen auf diese Weise Musik aus ihrem Kulturkreis zu vermitteln.

Die Gruppe besteht aus gleichberechtigt Lernenden und zugleich Lehrenden. So schafft „Folklang“ einen Rahmen für interkulturellen Austausch und Begegnung. Dass für die gegenseitige Akzeptanz von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund Sprachkenntnisse nicht ausreichen, hat auch das BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) erkannt und „Folklang“ dieses Jahr als hervorragendes Projekt ausgezeichnet.

 

Musik Macht Heimat – Engagement für Dialog

Das Deutsche Musikinformationszentrum hat 2015 eine Plattform ins Leben gerufen, auf der sich Initiatiatoren von Musikprojekten resgistrieren können. Auf einer Karte sind alle musikalischen Initiativen verzeichnet. Die Angebote, die das MIZ zusammengetragen hat, zeigen, welche Bandbreite an Aktivitäten innerhalb des Musiklebens entfaltet wurde.

Das Projekt wird derzeit weiterentwickelt und soll noch in diesem Jahr eine neue Plattform bekommen. Dabei wird der Fokus stärker auf musikbezogenen Dauerprogrammen liegen, bei denen im Dialog gemeinsame Konzepte entwickelt werden.

 

Zuflucht Kultur e. V. – Entweder. Oper. Kultur.

Der im Mai 2014 gegründete gemeinnützige Stuttgarter Verein Zuflucht Kultur e.V. hat den Zweck, Kunst, Kultur und Völkerverständigung zu fördern. Ziel ist Integration durch Kultur. Zu diesem Zweck fördert der Verein kultureller Projekte, die Menschen eine temporäre kulturelle Zuflucht geben. Das Angebot richtet sich an Menschen, die politisch, physisch oder psychisch verfolgt werden oder deren Lebensgrundlage durch Krieg und Verfolgung bedroht ist. Der Verein fördert das Schaffen einer Anerkennungs- und Willkommenskultur für Menschen mit Migrationshintergrund, auch mit lokalen und regionalen Akteuren zusammen.

In der Vergangenheit konnten bereits große Opernproduktionen mit reger Beteiligung Geflüchteter auf die Bühne gebracht werden. Für dieses Jahr sind neue Aufführungen geplant, unter anderem „Idomeneo“ von W. A. Mozart.

 

Initiative: Kulturelle Integration

„Deutschland ist ein Einwanderungsland“ ist auf der Seite des Deutschen Kulturrats zu lesen. Das impliziert, dass es hierzulande eine Kultur der Einwanderung gibt, die historisch verankert ist und weit zurückreicht. Auf diesem Gedanken fußt die Idee, dass Integration kulturell verankert sein muss, um erfolgreich zu sein. Die Initiative „Kulturelle Integration“ vom Deutschen Kulturrat soll zum Dialog und zur Diskussion über dieses aktuelle Thema anregen. In Essays und wissenschaftlichen Artikeln geht es um die Frage, welchen Beitrag Kultur zur Integration leisten kann –zur Integration der Menschen, die nach Deutschland kommen, aber auch derjenigen, die bereits in Deutschland leben.

 

CampusAsyl

Der Verein CampusAsyl wurde Ende 2014 von engagierten Studenten der Universität Regensburg und der Ostbayerischen Technischen Hochschule gegründet. Seitdem unterstützen mehrere hundert Freiwillige in 18 Projekten geflüchtete Menschen und deren Integration in unsere Gesellschaft.

Quirin Würfel organisiert ein Projekt, dass sich ganz der musikalischen Begegnung widmet. Jeden Freitag trifft sich eine Gruppe in der Erstaufnahmeeinrichtung und musiziert gemeinsam mit den Geflüchteten. Vor allem die Kinder vor Ort freuen sich über das gemeinsame Musizieren, Singen und Tanzen.

 

„Inklusive Musikpädagogik / Community Music“ – Masterstudiengang

Mit diesem MA-Studiengang bietet die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt als erste europäische Universität einen Weiterbildungsstudiengang in Voll- und Teilzeit an, der auf die musikpädagogische Qualifikation und Professionalisierung von Musikpädagogen/innen im Hinblick auf die Umsetzung des Menschenrechts „Inklusion“ abzielt. Prof. Dr. Daniel Mark Eberhard hebt dabei auch speziell den Aspekt der musikpädagogischen Flüchtlingsarbeit hervor. Die „Wahrnehmung, Anerkennung und Wertschätzung von Diversität als Potenzial für einen Abbau von Barrieren und einen demokratischen Umgang aller Menschen in ihrer Vielfalt und Differenz“ steht dabei im Fokus. Der Studiengang startet ab Wintersemester 2017/2018.

 

Integration – Deutschland kann das

Ein offizielles Portal der Bundesregierung, auf der viele Initiativen vorgestellt und vernetzt sind. Insgesamt sind weit über 1500 Initiativen der letzten zwei Jahre vertreten. Wer einen allgemeinen Überblick der Integrationsangebote und ihrer Vielfalt bekommen möchte, dem hilft dieses Portal weiter. Außerdem gibt es weiterführende Informationen für alle, die sich selbst engagieren möchten, unabhängig davon, auf welcher Ebene.